Nach den heftigen Protesten gegen eine generelle Zulassung von Motorbooten auf dem Cospudener See bei Leipzig prüft die Landesdirektion Sachsen derzeit die Einwände. Die Behörde habe dabei aber kaum Spielraum, Boote mit Verbrennungsmotor vom See auszusperren, sagte die Präsidentin Regina Kraushaar. Umweltverbände und Kommunen hatten sich ablehnend geäußert, den beliebten Badesee unbegrenzt für Motorboote freizugeben. Der Umweltbund Ökolöwe Leipzig startete eine Petition, die knapp 11.000 Menschen unterschrieben haben.
Die Landesdirektion arbeitet als obere Wasserbehörde an der Freigabe des Sees. Offiziell heißt der Vorgang «Feststellung der Fertigstellung». Eine Allgemeinverfügung soll künftig die Einzelgenehmigungen ersetzen, mit denen die Anrainerkommunen bislang Boots- und Schiffverkehr auf dem See ermöglicht hatten. Nach den Plänen der Landesdirektion soll die Allgemeinverfügung für den nördlichen Teil des Sees noch in diesem Jahr in Kraft treten.
Behörden-Chefin Kraushaar sieht die Landesdirektion dabei in einer «Sandwich-Position». «Es gibt einen breiten Bevölkerungswillen, dass es nicht zu einem Motorbooteinsatz kommt. Damit müssen wir uns auseinandersetzen», sagte Kraushaar. Recht und Gesetz ließen der Vollzugsbehörde aber eigentlich keine andere Möglichkeit, als bei der «Feststellung der Fertigstellung» alle Motorboote einzuschließen.
Die Wasserbehörde verweist auf das Sächsische Wassergesetz aus dem Jahr 2013. Darin wurden zahlreiche, aus gefluteten Tagebaulöchern entstandene Seen grundsätzlich als «schiffbare Gewässer» eingestuft. Zugelassen wurden «Fahrgastschifffahrt, nichtmotorangetriebener und motorangetriebener Sportbootverkehr». Die Landesdirektion könne nicht - wie von Umweltschützern gewünscht - zwischen den Motorarten auswählen und etwa nur Boote mit leiseren Elektroantrieben zulassen.
Ein Szenario, dass nach der Freigabe plötzlich Hunderte Motorboote auf dem «Cossi» unterwegs sein werden, sieht Kraushaar nicht. Das werde sich regulieren, sagte sie. Einerseits seien die Bootsliegeplätze und die Zahl der Slipanlagen, auf denen die Boots ins Wasser gehoben werden, begrenzt. Andererseits spiele auch ein «Wohlfühlfaktor» eine Rolle: Ein See mit zu viel Verkehr sei auch für Bootsbesitzer nicht attraktiv.
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