Für Start-up-Firmen in Sachsen gibt es noch reichlich Luft nach oben. Das ist eine Erkenntnis aus dem «Sachsen Start-up Monitor 2025». Demnach ist der Freistaat zwar mit 698 aktiven Start-ups, mehr als einer Milliarde Euro Investitionen seit 2020 und zwei Unicorns - Start-ups mit Milliardenwert - im Aufwind. Um mit Top-Standorten wie Berlin oder München mitzuhalten, brauche es aber vor allem mehr internationale Talente und einen besseren Zugang zu Wagniskapitel, so das Fazit.
Der Sachsen Start-up Monitor 2025 ist eine regionale Sonderauswertung des deutschen Monitors. Die Studie wurde vom Bundesverband Deutsche Startups im Auftrag des sächsischen Wirtschaftsministeriums erstellt. Bundesweit nahmen 1.828 Gründer an der Befragung teil, darunter 86 Start-ups aus Sachsen. Ergänzend wurden Handelsregister- und Finanzierungsdaten ausgewertet.
Gründer profitieren von Hochschulen
In Sachsen würden Gründer vor allem die Nähe zu Forschungseinrichtungen schätzen, hieß es in dem Bericht. 65 Prozent profitieren von Hochschulen (bundesweit: 55 Prozent). Damit seien sie bundesweit mit an der Spitze. 14 Prozent der sächsischen Start-ups seien sogenannte Deeptech-Firmen, die auf Basis wissenschaftlicher Durchbrüche oder komplexer Ingenieurskunst innovative Technologien entwickeln.
Die sächsische Start-up-Szene konzentriert sich in Dresden (254) und Leipzig (234). Ihre besondere Stärke liege in den Bereichen Software, Industrie 4.0 und Medizintechnik, teilten die Macher der Studie mit. 68 Prozent der Firmen würden auf Unternehmenskunden setzen. «Diese Spezialisierung schafft langfristige Wachstumsperspektiven und macht sächsische Start-ups zu einem wichtigen Treiber im digitalen Umbau der Industrie.»
Massiver Nachholbedarf bei Mitarbeitern aus dem Ausland
«Massiver Nachholbedarf besteht bei der Anziehungskraft für Talente aus dem Ausland. Dabei schneidet Sachsen aus Sicht der Gründerinnen und Gründer gerade bei kulturellen Faktoren wie sprachlichen Anforderungen (22 Prozent) und gesellschaftlicher Offenheit (20 Prozent) sehr schlecht ab», teilten die Macher der Studie mit.
Aktuell bewerten nur ein Viertel (24 Prozent) der Gründer den Zugang zu Kapital positiv (bundesweit: 30 Prozent) und nur 21 Prozent der Mitarbeiter haben ausländische Wurzeln (bundesweit: 31 Prozent). «Hier muss Sachsen gesamtgesellschaftlich aktiver werden, um für hochqualifizierte Fachkräfte aus aller Welt attraktiver zu werden», hieß es weiter.
Staat könnte als Kunde von Start-ups Wachstumsschub geben
Nach Ansicht von Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbandes, kommt es in Sachsen nun darauf an, den nächsten Schritt zu machen. «Politisch braucht es dafür klare Weichenstellungen - insbesondere die Vereinfachung öffentlicher Aufträge für Start-ups. Der Staat als Kunde könnte vielen jungen Unternehmen in Sachsen den entscheidenden Wachstumsschub geben.»
Sachsen bietet nach Ansicht des Wirtschaftsministers Dirk Panter (SPD) seit vielen Jahren exzellente Bedingungen für Deeptech-Gründungen. «Besonders in Hightech-Branchen wie der Halbleiterindustrie, Medizintechnik und bei Industrie 4.0 zeigt sich das enorme Potenzial junger Unternehmen. Start-ups aus Sachsen setzen Trends. Und mit gezielter Förderung stärken wir ihren Weg zur Skalierung.»
Die Grünen im Landtag schütteten Wasser in den Wein. Die sächsische Start-up-Szene sei zwar reif für die internationale Bühne, doch die Regierung setze im Hintergrund den Rotstift an. «Die aktuelle Haushaltsplanung bedeutet tiefe Einschnitte für die Gründungsszene: 70 Prozent weniger für die Gründungsförderung, 40 Prozent weniger bei der Beratungsförderung», betonte der Abgeordnete Wolfram Günther.
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