Von Ulf Mallek
Der neue schwarz glänzende Rolls-Royce Black Badge Spectre sieht aus wie ein dunkles Raubtier vor dem Sprung. Er ist mit 659 PS der stärkste jemals gebaute Rolls-Royce, wiegt 2,9 Tonnen und beschleunigt trotzdem von 0 auf 100 in 4,1 Sekunden. Damit sprintet er an der Kreuzung bei grün fast jedem Motorrad davon.
Das Fahrzeug hat Premiere. Es steht im gerade neu eröffneten Showroom von Rolls-Royce in Radebeul an der Meißner Straße. Beinahe liebevoll öffnet Verkaufsmanager Sören Luthardt die Motorhaube, um den vermeintlichen Zwölfzylinder-Motor zu zeigen. Aber nein, da ist nichts mit zwölf Zylindern. Der Spectre ist ein reines E-Auto. Der Luxusautobauer aus Goodwood in England verschließt sich den neuen Trends nicht, auch wenn die Reichweite dann doch etwas eingeschränkt ist. Sie wird mit 493-530 Kilometern angeben, realistisch sind im Winter gut 300 Kilometer drin. Dafür hat das Auto alle Finessen, die man sich denken kann. Man kann es in 44.000 verschiedenen Farbtönen bestellen oder sich einem Sternenhimmel aus 1.500 LED-Lichtern ans Wagendach zaubern. Die berühmte Kühlerfigur Spirit of Ecstasy ist diebessicher angebracht. Wenn einer sie abbrechen möchte, verschwindet sie blitzschnell unter die Motorhaube.
Der Umbau des Showroom in Radebeul an der Stadtgrenze zu Dresden bei Tomas Exklusive Cars hat wohl etwa eine Millionen Euro gekostet. Es ist der erste deutsche Showroom (drei weitere stehen in Berlin, München und Köln) nach den neuen Rolls-Royce-Standards mit Ambiente-Lichtern, die sich wellenförmig bewegen, dezenter Musik, Sternenhimmel und zahlreichen Farbmustern als Modell. In das Radebeuler Showroom-Konzept integriert ist die Porzellan-Manufaktur Meißen. Sie hat eigene Regale. Denn wer sich einen Rolls-Royce zum Durchschnittspreis von einer halben Million Euro leisten kann, der kauft sich vielleicht auch Porzellan-Büste von Marilyn Monroe für 150.000 Euro.
Insgesamt verkauft Rolls-Royce (eine Tochterfirma von BMW) 200 bis 250 Fahrzeuge jährlich in Deutschland, sagte Ruth Hilse, Communication Managerin für Zentral-Europa. Weltweit sind es etwa 5.500. Da vieles an dem Fahrzeug Handarbeit ist, muss der Kunde bis zu einem Jahr auf sein neues Auto warten. Woher die gut 50 Kunden pro Jahr in Radebeul genau kommen, mag man nicht so genau sagen. Natürlich aus Sachsen, zumeist sind es Unternehmer. Oft aber auch aus angrenzenden osteuropäischen Ländern bis in nach Armenien. Wer denkt, das wäre ein leichter Job mit so wenig Kundschaft, der irrt gewaltig. Die Kundschaft mag klein sein, ist aber sehr anspruchsvoll.
Inhaberin Sibylle Thomas-Göbelbecker hat ihr Unternehmen in Radebeul im Jahr 2003 mit Ferrari gegründet und Jahr für Jahr ausgebaut. Heute vertritt sie neben Rolls-Royce und Ferrari noch die weiteren Luxusmarken Bentley, Aston Martin und Lamborghini, zudem die Motorrad-Kultmarke Harley-Davidson.
Im Landkreis Meißen sind derzeit sieben Rolls-Royce zugelassen. Der typische Rolls-Royce-Fahrer ist ,männlich, 45 Jahre alt, beruflich extrem erfolgreich und hat insgesamt acht Autos in seiner Garage stehen. Thomas Gottschalk fährt so ein Auto und Paris Hilton, natürlich in der Farbe Pink. Luxushotels leisten sich machmal so eine Nobelkarosse, um sehr betuchte Gäste vom Flughafen abzuholen. Was Frau Göbelbecker-Thomas in die Hände spielt, sind die Querverbindungen. Wer einen Rolls-Royce für die ruhige Tour durchs Land nutzt, der kauft sich vielleicht auch einen Ferrari zum Rasen auf der Rennstrecke oder eine Harley für den Urlaub. Selbst ein E-Auto mit kleiner Reichweite ist da kein Problem, den es wartet ja noch der Bentley für die ganz große Fahrt. Aber, sehr viele solche Kunden wird es nicht geben. Vermutlich kennen sie die Mitarbeiter alle persönlich.