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"Die SPD ist keine Partei der Arbeiterklasse mehr"

Zwei Wissenschaftler von der TU Dresden schätzen die Ergebnisse der Bundestagswahl im Presseclub Dresden ein.

Von Ulf Mallek


So richtig optimistisch waren die Schlussfolgerungen der beiden Demokratieforscher von der TU Dresden nicht. Ganz offensichtlich befindet sich das politische System nicht nur bei uns in Sachsen und Deutschland, sondern vermutlich sogar weltweit in einen Transitionsprozess. Das sagten Dr. Maik Herold und Dr. Steven Schäller am Montagabend vor dem Presseclub Dresden.

Deutlich sichtbar ist dieser Prozess am Beispiel der SPD. Die stolze Partei der Arbeiterklasse, 1869 von August Bebel und Wilhelm Liebknecht in Eisenach gegründet (wobei Bebel sogar mehrere Jahre seinen Reichstagswahlkreis in Dresden hatte), ist heute keine Arbeiterpartei mehr. Das sagte Steven Schäller und zeigte zum Beweis mehrere Grafiken. In Deutschland wählten die SPD noch 16,4 Prozent der Gesamtbevölkerung, unter den Arbeitern waren es noch 12 Prozent. Auch Arbeitslose zieht es nicht allzu sehr zu den Sozialdemokraten, gerade mal 13 Prozent wählten sie. Dafür stehen die Rentner immer noch recht fest hinter der SPD. Ebenso hinter der CDU. 

Als neue Partei der Arbeiterklasse löste die AfD die SPD ab. 38 Prozent der Arbeiter und 34 Prozent der Arbeitslosen wählten AfD. Die Gründe für diese Verschiebung sind ziemlich differenziert. Maik Herold sagte, es habe auch viel mit der neuen Generation an studierten Parteikadern zu tun, die nicht mehr die Sprache der Arbeiter sprechen. Was interessiert einen Stahlwerker bei Feralpi in Riesa die der Parteiführung wichtige Themen wie Gendergerechtigkeit oder LGBTQ? Die Sprache der Arbeiter und Handwerker spricht jetzt die AfD, so Herold. 

Ob sich dieser Transitionsprozess fortsetzt und die AfD dabei weiter an Stärke gewinnt? Es sieht so aus, sagten die Wissenschaftler. Dabei ist die AfD kein Ost-Phänomen mehr. Rein zahlenmäßig hat sie im Westen viel mehr Wähler, allein in Nordrhein-Westfalen sind es 1,8 Millionen, in Sachsen als stärksten AfD-Land im Osten nur 0,95 Millionen. 

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