Die Flaschenlager füllen sich langsam. Der Winter wird in der Meißner Schwerterbrauerei traditionell genutzt, um die Reserven wieder aufzufüllen. Davon überzeugte sich auch Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke bei seinem Besuch am Dienstag. Aber vor allem interessierte ihn der Baufortschritt.
Der neue Anbau der Brauerei ist bereits vollendet, lediglich die vier neuen Gär- und Lagertanks stehen noch aus. Laut dem Brauerei-Inhaber Eric Schäffer wird durch diese Investition die Lagerkapazität um rund 20 Prozent erhöht. Die ersten Bauarbeiten hatten bereits im Oktober 2024 begonnen, und das Projekt mit einem Umfang von etwa einer Million Euro wird durch die positive Marktlage der ältesten Privatbrauerei Sachsens begründet.
OB Olaf Raschke gibt MeissenTV auf dem Brauereigelände ein Interview.
Während der Corona-Pandemie erlebte die Brauerei einen erheblichen Rückgang im Fassbierabsatz, verursacht durch die zahlreichen Einschränkungen in der Gastronomie, die für etwa 30 Prozent des Geschäfts verantwortlich ist. Im Gegensatz dazu stieg der Absatz von Flaschenbier während dieser Zeit stark an. Die Brauerei hatte zuvor genügend Reservebestände angelegt, sodass sie die Nachfrage in der Hochphase der Pandemie bedienen konnte. Mittlerweile hat sich der Fassbierabsatz wieder auf das Niveau vor der Pandemie erholt, während die Nachfrage nach Flaschenbier weiterhin wächst. Der Umsatz wuchs im vergangenen Jahr um über zehn Prozent.
Um den Herausforderungen während der Pandemie zu begegnen, entschied man sich, die Lagerkapazitäten auszubauen, anstatt den Brauprozess zu beschleunigen. Dies birgt den Vorteil, dass die Reifezeit, die als Alleinstellungsmerkmal der Brauerei gilt, gewahrt bleibt. Vom Korn bis zum fertigen Bier vergehen in der Regel sechs Wochen. Das unterscheidet das Meißner Bier vom Industriebier. Die Erweiterung ermöglicht einen ununterbrochenen Betrieb im Sudhaus, was sowohl die Effizienz steigert als auch energetische Vorteile mit sich bringt. Im Hinblick auf Energieeffizienz betrieb man Ende 2022 bereits einen Multibrennstoff-Heizkessel, der mit verschiedenen Brennstoffen laufen kann, sowie eine Photovoltaikanlage, die zur Energieversorgung beiträgt.
Die wirtschaftliche Strategie des Inhabers Eric Schäffer aus Radebeul, der zudem auch eine Brauereigastronomie sowie die Oppacher Mineralquellen GmbH betreibt, ist auf Langfristigkeit und Nachhaltigkeit ausgerichtet. "Wir verzichten gern auf das eine oder andere Prozent Rendite, investieren aber ausreichend, um für die Zukunft gerüstet zu bleiben." Mittelständische, inhabergeführte Unternehmen wie dieses orientieren sich generell nicht auf schnellen Gewinn, sondern auf nachhaltiges Wachstum und die Übergabe der Werte an die nächsten Generationen. So ist das Handeln der Inhaber nicht auf den Quartalsbericht oder den eigenen Vertrag gerichtet, sondern aufs langfristige Gedeihen der Firma. Eric Schäffer kaufte die Brauerei im Jahr 2009 als Familienunternehmen.
Die Brauerei möchte auch künftig regional bleiben und ihre Kunden hauptsächlich aus der Nähe bedienen. Aktuell umfasst das Sortiment sieben ganzjährige und drei Saisonbiere. Als nächstes stehen der Ausschank diesjährigen Maibocks und die Abfüllung des Elbsommers ab etwa Mitte April an.
Eric Schäffer betreibt seit etwa fünf Jahren auch den Biergarten Boselblick in Sörnewitz, in dem dieses Jahr das 565. Jubiläum der Brauerei gefeiert wird. Die urkundliche Ersterwähnung datiert auf das Jahr 1460. Der Biergarten startet die neue Saison je nach Wetterlage Ende März oder Anfang April. Die Feierlichkeiten beginnen am 22. August mit einem Freiluftkonzert des Sächsischen Polizeiorchesters und enden mit einem Weißwurstfrühstück und böhmischer Blasmusik zwei Tage später. Zudem wird ein Jazzkonzert am markanten Felshang an der Elbe stattfinden.